Ist Veränderung möglich? Oder: Affekte – ein ständiger Begleiter

Das Verhalten und somit das Denken eines Menschen ist zu einem großen Teil biologisch determiniert, man kann allerdings diesen Denk-Algorithmus sehr wohl nach eigenen Mustern umformen.

Gefühle und Emotionen sind Affekte, die ein ständiger Begleiter des Menschen sind – richtig ist, was sich richtig anfühlt. Der Affekt – also ein determiniertes Gedankenkonstrukt –, welcher einem als Erstes in den Sinn kommt, ist ein eingelernter und biologisch determinierter Algorithmus. Man kann diesen Algorithmus zwar meist nicht im Jetzt steuern, aber sehr wohl in der Zukunft, also mit kleinen Veränderungen oder mit Psychotherapie. Der Wille ist somit in der Zukunft in Teilen steuerbar.

Vieles oder das Meiste ist uns nicht bewusst oder unbewusst, und es gibt sehr viele Widerstände, die unser Verhalten verteidigen und Veränderung verhindern. Wie oft haben wir uns schon retrospektiv gefragt: „Wieso habe ich das schon wieder getan?!“

Dazu muss man erwähnen, dass es in der Psychoanalyse drei Widerstände gibt, die eine Veränderung des Verhaltens verhindern, und zwar den:

  • Verdrängungswiderstand: Betrifft alles, was das Erleben von möglicherweise unangenehmen Gefühlen und Gedanken vermeidet. Dazu kann zum Beispiel das klassische Zu-spät-Kommen oder das Vergessen des Treffens gehören, also wenn man sich mit unangenehmen Gefühlen auseinandersetzen oder konfrontiert werden muss.

  • Übertragungswiderstand: Die Person erhebt sich über eine andere – also ein narzisstischer Charakterzug von Menschen, die sodann die Situation immer so wenden, dass sie sich scheinbar über die Situation und den anderen erheben. Mal mehr, mal weniger subtil. Die Person kann es dem anderen nicht recht machen.

  • Identitätswiderstand: Richtet sich gegen die Veränderung des eigenen Selbstbildes. Geprägt durch Erik Erikson beschreibt er die Angst, durch die therapeutische Veränderung die eigene (wenn auch neurotische) Identität zu verlieren.

Warum machen wir das, was wir tun?

Säuglinge oder Kinder generell machen in der Anfangsphase nichts anderes, als körperlichen Zuständen oder körperlichem Ausdruck zu verleihen und zu psychologisieren, das heißt, sie internalisieren körperliche Zustände. Was wiederum heißt: Unser Verhalten wird schon von klein auf festgelegt und in Bahnen gelenkt. Also: „Die Illusion des freien Willens“.

Die Illusion des freien Willens!

Wir erleben die Welt so, wie wir sie haben „wollen“, und nicht, wie sie ist. Die Mechanik des Scheins – nicht zögern, sondern handeln. Klingt erst einmal gut, ist aber so, wie wir die Welt haben wollen, nicht, wie sie ist. Wir nehmen Kompetenz also mit Selbstvertrauen wahr und nicht mit Nachdenken. Jemand, der zögert, wirkt unentschlossen; wir wollen jedoch Antworten und Taten. Spannungen auszuhalten ist nicht das, was wir wollen. Wir verharren generell schon in einem Stadium der Machtlosigkeit, wir wollen aber handeln und nicht zögern.

Das heißt, wir nehmen an: Wer handelt, weiß, was er tut. Wer nachdenkt, wird als zögernd und nicht wissend wahrgenommen. Welches aber wohl ein Übertragungswiderstand oder teilweise einfaches Agieren ist, um unsere Persönlichkeit zu schützen.

Einflussfaktor Umwelt und soziale Struktur

Der Zwang der Normierung: Die paranoide Struktur eines Strafsystems in unserer Gesellschaft oder dem sozialen Wertesystem veranlasst andere Menschen, auf soziale Normierung zu drängen. Man wird in dieser schizoiden Struktur durch andere beobachtet und auf Integration gedrängt. Obwohl das System Korruption und Machtmissbrauch fördert und eigentlich nicht verhindert, drängt es dennoch darauf, sich anzupassen.

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Es ist schwer, es zugleich der Wahrheit und den Leuten recht zu machen. - Thomas Mann